Wird der schwache Eisbären-Start zum Trend?
(DEL) Als deutscher Rekordmeister erfährt ein Profiklub in der höchsten Spielklasse höheren Druck als jene Klubs, die noch nie triumphieren konnten. Was im Fußball mit dem FC Bayern oder im Handball mit dem THW Kiel ist, unterscheidet sich auch im Eishockey nur unwesentlich. Nicht anders ist es deshalb bei den Eisbären Berlin, die von 2005 bis 2013 siebenmal in neun Spielzeiten die Meisterschaft feierten. Der aktuell schwache Saisonstart 2018/19 sorgt dabei einige Fans. Wird er zum Trend oder wandelt sich die Situation schon bald zum Positiven?
Finalteilnahme kommt nach Minusjahr überraschend
Zweimal 1. Runde, dann Viertelfinale und Halbfinale - besonders erfolgreich wartete die Playoff-Bilanz der Eisbären Berlin nicht auf, nachdem in neun Jahren zuvor beeindruckende sieben Titel gewonnen wurden. Dass es 2016/17 überhaupt für das Halbfinale reichte, muss nach Platz 8 in der Hauptrunde als große Überraschung gelten. Noch nie erzielten die Eisbären in ihrer DEL-Zeit weniger Tore - trotz mehr Spielen, als es in den ersten Ligajahren der Fall war. Ebenso waren die Torquote sowie die erzielten Powerplay-Tore und die Effizienz des Überzahlspiels so schlecht wie nie zuvor. Nach Serienerfolgen gegen die Straubing Tigers und die hochfavorisierten Adler Mannheim war erst der EHC Red Bull München eine Kategorie zu stark und eliminierte die Berliner in 4:1 Spielen. Später sollten sich jene Münchner dann gegen die Grizzlys Wolfsburg die Meisterschaft sichern.
Umso überraschender kam angesichts des Minusjahres die Folgesaison der Eisbären. Als die Euphorie in der Hauptstadt etwas zu leiden schien, boten die Berliner eine Klasse-Hauptrunde, die auf Rang 2 nur hinter München abgeschlossen wurde. Statt neuen Negativstatistiken gab es eine Runde mit über 100 Punkten zu feiern - erstmals seit 2009/2010. Den größten Anteil daran besaßen die beiden nordamerikanischen Flügelstürmer Jamie MacQueen und Sean Backman, die 31 respektive 29 Tore erzielten. Angesichts dieser starken Formsteigerung und einem mit teils unglaublichen Saves aufwartenden Petri Vehanen im Tor ging es in den Playoffs im Eiltempo an Wolfsburg und Nürnberg vorbei, ehe München im Finale in Spiel 7 etwas mehr Glück hatte. So verloren die Berliner die Chance auf die achte Meisterschaft nur ganz knapp.
Gefährlicher Trend oder doch kein Grund zur Sorge?
Der Start in die aktuelle Saison misslang für die Eisbären gründlich. Es gibt jedoch zweifelsfrei angenehmere Auftaktprogramme als Meister München und CHL-Teilnehmer Nürnberg Ice Tigers. Eine 2:4 Niederlage daheim und ein 3:4 auswärts waren die Folge für Berlin. Während die Offensive in beiden Spielen auf dem Eis war, wachte sie vor allem in Nürnberg zu spät auf. Ein früher 0:2 Rückstand konnte zwar ausgeglichen werden, doch schon bald standen die nächsten zwei Ice Tigers Tore auf der Anzeigetafel. Handelt es sich nun um einen gefährlichen Trend oder gibt es für die Eisbären-Fans doch keinen Grund zur Sorge? Wenn man den Wettanbietern Glauben schenken möchte, ist in der Tat noch alles gut. So listet Betway die Eisbären mit einer Quote von 4,00 auf den DEL-Titel im kommenden Frühjahr (Stand 21. September). Nur Seriensieger Red Bull München wird stärker eingeschätzt.
Wer auf den Kader blickt, findet dort auch wenig Grund zur Panik. Neben Vehanen, der im Gespann von Maximilian Franzreb und Kevin Poulin ersetzt werden soll, war wohl Trainer Uwe Krupp der größte Berliner Verlust. Sparta Prag heißt die neue Heimat des Coaches, der von Clément Jodoin ersetzt wird. Nachdem der Kanadier bereits in der letzten Saison als Co-Trainer der Eisbären engagiert war, erhielt er nun eine Beförderung. Jodoin zeigte in seiner bisherigen Karriere vor allem den richtigen Umgang mit jüngeren Spielern nach Dreifach-Gold in den World Juniors und einer QMJHL-Meisterschaft. Der spannendste Neuzugang ist zweifelsfrei Colin Smith, der im Alter von 25 Jahren über den großen Teich nach Deutschland kam. Als Siebtrundenpick der Colorado Avalanche brachte es Smith immerhin zu einem NHL-Spiel. Er ist ein talentierter Spielmacher, der als Zwei-Wege-Center sein Geld verdient. Nicht zuletzt dank Zugängen wie Poulin oder Smith sind die Playoffs Pflicht. Die Entwicklung der Spiele dort hängt auch stets von der aktuellen Form und Verletzungssituation ab. Wenn alle Spieler fit sind, spräche nicht viel gegen eine abermalige Finalteilnahme der Eisbären Berlin, sei es gegen München oder ein anderes Team. Nur der Fehlstart sollte möglichst schnell und weit in die Vergangenheit verfrachtet werden.
| www.icehockeypage.de | Informationen zum Thema | ||
|
- Deutsche Eishockey Liga - - |












