(RLW) Fünf Wochen Kanada. Es könnte dich schlimmer treffen. Und dann auch noch mit einem guten Freund dessen Heimat erkunden, sich gemeinsam auf und neben dem Eis auf die neue Saison vorbereiten. Julian Grund erlebt gerade nicht den schlechtesten Sommer seines Lebens im fernen Edmonton, gemeinsam mit Kumpel Jake Fardoe. Mit dem Kanadier stand er in der vergangenen Saison gemeinsam bei den Luchsen in Lauterbach auf dem Eis. In der neuen Saison wird Grund erneut mit einigen guten Kumpels gemeinsam auf dem Eis stehen, dann aber im Trikot der EG Diez-Limburg. Der zweiteffektivste deutsche Scorer der abgelaufenen Regionalliga-Saison (30 Spiele, 26 Tore, 39 Assist) stürmt ab sofort für die Rockets.
„Wir hatten letzte Saison sowohl menschlich als auch spielerisch ein klasse Team in Lauterbach“, sagt Grund. „Die Saison hat ziemlich viel Spaß gemacht. Schade fand ich, dass das Team nicht bis zum Ende der Saison zusammengeblieben ist. Hinzu kam noch mein krankheitsbedingtes Saisonende direkt zum Start der Play-offs. Ich denke, ohne diese beiden Punkte wäre die Saison vielleicht nicht so früh zu Ende gewesen.“
Der in Lauterbach geborene und in Kassel ausgebildete Grund verändert sich zur neuen Saison beruflich und nahm deshalb Kontakt mit Rockets-Trainer Arno Lörsch auf. „Ich habe mein Studium in Leipzig beendet und gehe nun beruflich nach Frankfurt. Ein Wechsel innerhalb der Liga fällt mir allerdings sehr schwer, da ich mit Lauterbach meinen Heimatverein verlasse. Die Entfernung, einige Spieler, die in Diez unterschrieben haben und sicherlich auch der Trainer haben dann den Ausschlag für den Wechsel gegeben. Wobei ich hier ganz klar betonen muss, dass Coach Lörsch mich keinesfalls von Lauterbach abgeworben hat.“
„Uns führt ein glücklicher Zufall zusammen“, unterstreicht auch der Rockets-Trainer. „Ich schätze Julian sehr als Mensch und als Spieler. Ein eher ruhiger Vertreter, den du quasi nie meckern hörst. Und wenn, dann meckert er über sich selbst, weil er eine Chance nicht verwertet hat. Seine Statistik sagt es aus: Julian ist ein absoluter Scorer und auf der rechten Außenbahn sicherlich einer der besten Spieler der Liga.“ Hinter Hamms Kevin Thau belegte Grund in der abgelaufenen Saison mit 65 Punkten in 30 Spielen den zweiten Platz in der Liste der deutschen Scorer. „Gemeinsam mit Pierre Wex und dem kanadischen Stürmer Kenny Matheson hat Julian schon einiges bewegt in der vergangenen Saison. Er spielt unheimlich clever, ist stocktechnisch sehr stark und im Eins-gegen-Eins nur schwer zu stoppen. Ein richtig starker Athlet, der sehr beweglich ist und Ausdauer hat. Wenn es sein muss, kann er auch mal 40 Minuten in einem Spiel auf dem Eis stehen, wenn der Trainer das verlangt. Er ist ein Riesengewinn für unsere Mannschaft. Toll, dass wir es hinbekommen haben, ihn zu verpflichten. In der vergangenen Saison hat er aufgrund des Studiums kaum mit der Mannschaft trainieren können. In Diez wird er sich noch besser mit seinen Mitspielern verstehen, weil er hier auch mit ihnen trainieren wird.“
„Die Teamchemie ist für mich persönlich extrem wichtig“, sagt Grund. „Je mehr Spaß man auch außerhalb des Sports zusammen hat, desto mehr Spaß kann man auch zusammen auf dem Eis haben. Mein eigenes Spiel würde ich als abgeklärt beschreiben. Außerdem etwas verspielt und für das Auge des Zuschauers.“ Gut möglich, dass der Außenstürmer auch in der neuen Saison gemeinsam mit Pierre Wex und einem Kanadier in einer Reihe aufläuft. „Es ist schwer zu sagen, was wirklich möglich ist für uns“, blickt Grund auf die anstehende Saison. „Aber das Ziel ist jedes Jahr gleich: So weit kommen wie möglich und gerne auch mit der Meisterschaft die Saison beenden.“
Lörsch: „Planungen im Soll, Try-out im August“Hinter den Kulissen wird bei den Rockets dieser Tage - auch ohne aktuell weitere Personalmeldungen - kräftig gearbeitet. Der Kader wächst stetig, aber auch auf entsprechend hohem Niveau. Da braucht es auf der Zielgerade der Kaderplanung auch ein wenig Geduld, wie EGDL-Trainer im Interview erläutert. Zudem gibt er einen Einblick in die weiteren Planungen und stellt das Konzept hinter dem Rockets-Try-out Ende August vor.
Herr Lörsch, die Rockets-Fans warten sehnsüchtig auf die nächste Personalie. Wie steht es um die Kaderplanung der EGDL?
Zunächst einmal sind wir mit derzeit zwei Torhütern, fünf Verteidigern und neun Stürmern bereits sehr gut aufgestellt und absolut im Soll, was unsere Planungen betrifft. Bei den noch ausstehenden Personalentscheidungen, die wir noch treffen wollen und werden, ist nun aber auch ein wenig Geduld gefragt. Die Akteure, die wir jetzt noch ins Team holen, werden fast durchgehend eine sehr hohe Wertigkeit für die Mannschaft haben. Das sind Spieler, die auch schon höherklassig gespielt haben und bei denen es auch gilt, in den Vertragsverhandlungen für beide Seiten wichtige Details zu klären. Aber ich kann die Fans beruhigen: Bei allen Spielern, mit denen wir derzeit sprechen, sind wir auf einem sehr guten Weg und sind nahe an einer Einigung.
So wie bei einem Stürmer, der bereits unterschrieben hat, aber noch nicht vermeldet wurde...
Richtig, das wird auch noch ein wenig dauern. Verein und Spieler sind sich einig, der Vertrag ist unterschrieben. Der Spieler hat jedoch darum gebeten, erst noch einige organisatorische Dinge in aller Ruhe klären zu können. Darauf nehmen wir natürlich gerne Rücksicht.
Wird es zusätzlich zum festen Kader in der kommenden Saison auch Spieler mit Förderlizenzen geben für die EGDL?
Ja, da sind wir bereits seit einiger Zeit hinter den Kulissen sehr aktiv. Wir sprechen derzeit mit zwei Vereinen. Mit einem Klub treffen wir bereits sehr detaillierte Absprachen und gehen bereits ins Detail. Beim zweiten Verein wird sich vermutlich in den nächsten zwei, drei Wochen etwas tun. Dort gilt es zunächst noch einmal intern die Inhalte einer möglichen Kooperation zu besprechen.
Trotz der schon sehr weit fortgeschrittenen Kaderplanung lädt die EGDL für den 25. und 26. August zu einem Try-out nach Diez ein. Was steckt dahinter?
Bei diesem Try-out laden wir ganz bewusst junge Spieler ein, sich bei uns zu zeigen und vorzustellen - wir sprechen da zum Beispiel von den Jahrgängen 1998, 1999 oder 2000. Diese Spieler laden wir herzlich ein, bei uns ihre Visitenkarte abzugeben. In zwei Trainingseinheiten auf dem Eis können die Spieler mit einem Großteil unserer Mannschaft, die dann schon vor Ort sein wird, trainieren. Die Spieler haben so die Gelegenheit, sich im direkten Vergleich zu präsentieren. Interessant ist dieses Try-out vor allem für Spieler, die sich für den Seniorenbereich orientieren möchten. Deshalb ist es uns ganz wichtig, dass dieses Try-out nicht nur aus dem Eistraining besteht. Wir möchten interessierte Spieler auch bitten, ihre Ideen und Pläne mitzubringen, wie sie sich ihre berufliche Zukunft vorstellen - welche Ausbildung sie anstreben oder welches Studium. Wir möchten dann gemeinsam eine Perspektive für diese Spieler erarbeiten, wenn beide Seiten daran Interesse haben. Es geht dabei nicht zwingend darum, Akteure für die nun anstehende neue Saison zu finden - wir blicken da gerne auch schon ein bisschen weiter in die Zukunft. Wenn sich jedoch auch für die aktuelle Saison noch etwas ergibt, sind wir natürlich auch da für alles offen.
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