Leistungsdiagnostik im Eishockey: Was steckt hinter den Fitnesstests der Profis?
Eishockey ist eine der konditionell härtesten Mannschaftssportarten der Welt. Immer wiederkehrende kurze, explosive Belastungen wechseln sich mit kurzen Erholungsphasen ab. Kraft, Schnelligkeit, Koordination und aerobe Kapazität werden im Spiel zeitgleich verlangt. Um Spieler auf diesem Leistungsniveau optimal zu entwickeln und sie zugleich vor Verletzungen zu schützen, setzen Proficlubs heute auf systematische Leistungsdiagnostik, die weit über das alte Bild vom Körpergewicht auf der Waage hinausgeht.
Wie sieht die Testkaskade in der Vorbereitung aus?
Der Großteil der diagnostischen Arbeit wird in der Saisonvorbereitung, also zwischen Juli und September, abgearbeitet. Hier werden die Basiswerte erhoben, die dann als Vergleichswerte für die gesamte Spielzeit herangezogen werden können. Zu den etablierten Verfahren gehört die Spiroergometrie zur Messung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max).Dieser Wert gibt an, wie gut der Körper Sauerstoff unter Belastung verwerten kann. Bei Eishockeyspielern in den höchsten Ligen liegen die Werte normalerweise zwischen 55 und 65 ml/kg/min, während Torhüter aufgrund ihrer speziellen Belastungen oft etwas darunter liegen. Ergänzend wird der Laktatstufentest eingesetzt, bei dem die Laktatkonzentration im Blut während definierter Belastungsstufen auf einem Laufband oder Fahrradergometer gemessen wird. Diese Ergebnisse ermöglichen die Ableitung individueller aerober und anaerober Schwellenwerte, die direkt in die Trainingssteuerung integriert werden. Trainingsreize, die über der anaeroben Schwelle liegen, unterstützen zwar die Maximalleistung, beanspruchen jedoch auch das Regenerationssystem stärker. Die genauen Schwellenwerte erlauben es, diese Balance gezielt zu steuern.Zahlreiche Clubs verwenden hierfür medo.core, eine weit verbreitete Software im Leistungssport. Diese Software von der Firma medo.check wird in vielen Sportarten, u.a. auch im professionellen Eishockey für die Leistungsdiagnostik und Trainingsüberwachung genutzt.
Muskelfunktionstests und Bewegungsanalyse: Was steckt dahinter?
Zusätzlich zu den kardiologischen Werten spielen muskuläre Funktionstests eine wichtige Rolle. Der Functional Movement Screen (FMS) ist ein einfaches Testverfahren, das aus sieben verschiedenen Bewegungsmustern besteht. Hiermit lassen sich asymmetrische Belastungen und kompensatorische Bewegungsstrategategien aufspüren. Wenn zum Beispiel ein Spieler beim einbeinigen Kniebeuge-Test stark abweicht, dann wird er wohl eine Hüftschwäche durch Fehlbelastungen im Kniegelenk kompensieren. Hierbei bleibt er bei normalem Training unentdeckt, aber gerade solche Muster erhöhen das Verletzungsrisiko über eine ganze Saison sehr stark.Isokinetische Kraftmessungen, z. B. an Kniestreckern und beugern, liefern Bezugswerte, die klinisch einzuordnen sind. Das am weitesten verbreitete Verhältnis ist das sogenannte H/Q-Verhältnis (Hamstrings zu Quadrizeps). Bei Sportlern sollte dieses Verhältnis ideal zwischen 0,55 und 0,65 liegen. Bei Abweichungen von diesem Wert wird eine erhöhte Verletzungsgefahr für den hinteren Oberschenkel beschrieben. Mehrere sportmedizinische Studien, darunter solche aus der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin belegen dies. Darüber hinaus lohnt es sich, Sprint- und Antrittstests gleich auf dem Eis anzugehen, wo sie dann per GPS Tracking oder Lichtschrankensystemen ausgewertet werden können. Sprungkraftmessungen (z.B. Counter Movement Jump) über Kraftmessplatten erlauben Rückschlüsse auf die explosive Beinstreckerkraft — die ist für den Antritt ebenso wichtig wie für Schussstärke.













